Reformierte Kirchen im Aargau

Ein Projekt der Refomierten Landeskirche Aargau
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Zur Geschichte der Reformierten und ihrer Kirchen im Aargau

«Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was darinnen ist, er, der ein HERR ist Himmels und der Erde, wohnt nicht in Tempeln mit Händen gemacht.» (Apostelgeschichte 17,24)

Der Kanton Aargau kann ohne weiteres als Kampfplatz zwischen politischen und ab der Reformation zusätzlich zwischen konfessionellen Kräften bezeichnet werden, dies während Jahrhunderten.

Die Eroberung durch die bernischen Eidgenossen (1415) hatte eine neue Aufteilung der Regionen zwischen verschiedenen politischen Mächten zur Folge: Der geographisch grösste Teil des Aargaus im Westen kam unter die Herrschaft der Berner, das Fricktal verblieb unter der Restherrschaft der Österreicher. Daneben gab es die Grafschaft Baden und die Freien Ämter, die sogenannten Gemeinen Herrschaften: Untertanengebiete, die von verschiedenen Orten der alten Eidgenossenschaft verwaltet wurden.

Die Reformation führte in den Jahren zwischen 1528–31 zu zusätzlichen Trennungen innerhalb des Aargaus mit weitreichenden Folgen. Die drei genannten Gebiete sollten für lange Zeit konfessionell ihre eigenen Wege gehen und sich immer wieder bekämpfen: Der Westaargau wurde von Bern streng kontrolliert und übernahm auch die Reformation von Bern. Die Gemeinen Herrschaften wurden durch die katholische Innerschweiz bestimmt. Das Fricktal verblieb unter österreichischem und damit ebenfalls streng katholischem Einfluss. Während über 200 Jahren blieben diese Verhältnisse gleich, und in dieser Zeit haben sowohl die Reformierten wie die Katholiken ihre Positionen gefestigt und ausgebaut.

Als nach der Schlacht bei Kappel (1531), die die Katholiken gewonnen hatten, «die Waffen ruhten, setzte man zur Demonstration der eigenen Macht und Stärke andere Mittel ein, vorab die Zeichensprache der Architektur.» (Felder) Vor allem in den Grenzgebieten zu den jeweiligen konfessionellen Gegnern, aber auch innerhalb einzelner Orte kam es zu eigentlichen architektonischen Fernduellen.

In Reinach, im Bernischem Hoheitsgebiet, wurde im Sommer 1529 die erste, nach der Reformation neu erbaute, reformierte Kirche im Aargau eingeweiht, dies, nachdem sich die Reinacher bereits früher über den nach der Reformation verfügten Kirchgang nach Gontenschwil beschwert hatten. Der Rat von Bern beantwortete die Beschwerde im April 1528 mit dem Beschluss: «Die von Rinach gan Gundisswyl kilchrecht thun; doch mogen sin ein platz zu Rinach ussgan, da sy predig horen, und mit der zyt ein kilchen da machen.» Die Errichtung der Kirche Reinach war explizit gegen die luzernische Nachbarschaft und vor allem gegen den starken Einfluss des Chorherrenstifts in Beromünster gerichtet.

Während die ersten reformierten Kirchen entstanden, richteten die Katholiken Wallfahrtsorte und Marienverehrungsstätten wie Mägenwil, Maria-Will ein und bauten die Klöster Muri und Wettingen glanzvoll barock aus. In verschiedenen reformierten Orten (Aarau, Zofingen, Windisch) wurden die Glockentürme eindrucksvoll erneuert und ausgebaut. Ein besonders prägnantes Beispiel für sakralarchitektonische Fernduelle ist die Kirche in Windisch: «Als spöttische Zugabe erscheint am Windischer Turm die farbig bemalte Steinstatue eines mit Hellebarde und Schwert bewaffneten Berner Bären, der gegen das katholische Baden die Zunge herausstreckt.» (Felder)

Architektonisches Fernduell: Der 700 Kilogramm schwere (mittlerweile stark angegriffene und mit Seilen gesicherte) Steinbär am Turm der Kirche von Windisch, der Richtung Baden die Zunge herausstreckt


Nach dem 2. Villmergerkrieg (1712), bei dem die Reformierten den Sieg errangen, war die Vormachtstellung der Katholiken im Aargau weitgehend gebrochen. Zu den Kapitulationsbedingungen der reformierten Zürcher und Berner gehörten unter anderem die Entwaffnung der Stadt Baden und die Errichtung einer reformierten Kirche mit Steinen von der Festung Stein, die bereits 1713 eingeweiht werden konnte. Wie im Falle von Reinach hatten die Reformierten beim beabsichtigten Kirchenbau keine Zeit verloren.


Verfasst von Barbara Tobler




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