Reformierte Kirchen im Aargau

Ein Projekt der Refomierten Landeskirche Aargau
Stritengässli 10, 5001 Aarau, ag@ref.ch

 

Über allerlei Mobiliar von «brüchigen Sachen» bis zu feudalen Abendmahlstischen im «ländlich bernischen Stil Louis XIII oder Louis XIV»

Die meisten der Ammerswiler Pfarrer blieben der Gemeinde bis an ihr Lebensende treu; viele von ihnen wurden auch hier begraben, auch wenn sie ursprünglich von auswärts ins Pfarramt gekommen waren. Elf der seit der Reformation wirkenden Pfarrherrn blieben länger als 20 Jahre, einer davon 40 Jahre! Viele von ihnen stammten aus dem Bernbiet. Einkommensmässig stand Ammerswil auf dem drittbesten Platz nach Auenstein und Schöftland.

Heute wie damals bedeutete die Einsetzung ins Pfarramt auch einen Umzug für die betreffenden Pfarrherren. Die «Züglete» von Pfarrer Johannes Gallei [oder Galli], der von 1691 bis zu seinem Tod (1710) als Pfarrer in Ammerswil amtete, vollzog sich auf diese Weise, über die der Pfarrherr schrieb:

«25.5.1691 von Twann abgefahren nach Nydau; 26.5. von Nydau abgestossen und noch selbigen Tags glücklich mit Gottes Hülf und Bystand zu Wildegg angeländet und ausgestiegen; 27.5. glücklich zu Ammerswyl angekommen mit Betten, Kasten und Geschirr.»

Einer seiner Nachfolger war Johannes Müller, der von 1732–1748 in Ammerswil Pfarrer war. Der Umzug seiner Habseligkeiten und seine Ankunft verursachten der Kirchgemeinde einen finanziellen Aufwand, der offenbar höher als üblich gewesen sein muss. Insbesondere sind die Kosten für Arbeit und Verpflegung der beteiligten Umzugsmänner etwa gleich hoch (was mit der damals sehr billigen Arbeitskraft erklärt werden kann, aber dass darüber schriftliche Quellen bis ins Detail existieren, mit deutlichem Hinweis auf die «bedeutenden Unkosten», legt doch nahe, dass dieser Aufwand das Übliche überschritten haben dürfte):

«Sein Aufzug in Ammerswil war für das dasige Kirchengut mit bedeutenden Unkosten verbunden. Etlichen Taglöhnern, die dem Prädikanten seine brüchigen Sachen von Wildegg nach Ammerswil tragen mussten, wurden 5 Gulden 1 Batzen bezahlt; bei Ankunft des Prädikanten im Wirtshaus zu Othmarsingen wurde verzehrt für 5 Gulden 4 Batzen; bei Abholung des Prädikanten ist von den Vorgesetzten, Fuhrleuten und übrigen Gemeindsgenossen so darmit umgangen, bei der Hellmühli Wildegg verzehrt worden 21 Gulden 1 Batzen 1 Kreuzer. Für die Mahlzeit bei der Präsentation wurden 43 Gulden ausgegeben.»

(nach Willi Häusermann, 1100 Jahre Gemeinde Ammerswil: Chronik der Gemeinde Ammerswil, Ammerswil 1993, Seite 55.)

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Um Mobiliar von ganz anderer Art geht es Jahrhunderte später, nämlich 1956 in einem Brief  des damaligen Aargauer Denkmalpflegers Dr. Emil Maurer, der auf diesem Internetauftritt bereits mit originellen Äusserungen zur Orgel in der Kirche Mönthal zitiert wird. Hier nun handelt es sich um das Auffinden eines passenden Abendmahltisches für die Kirche Ammerswil. Neben präzisen sachdienlichen Vorschlägen und Angaben fällt der lockere Ton auf, mit dem Dr. Maurer dem zuständigen Architekten vom Architekturbüro Hunziker in Brugg folgendes schrieb:

«Wenn wir bei der ‹Jagd› auf einen passenden Abendmahlstisch streng sein wollen, kommt vor allem ländliches bernisches Louis XIII oder Louis XIV in Frage. Vielleicht kommen Sie schon in Aarau zum Ziel, in den Schreinereien Honold oder Brenneisen. Aussichtsreicher ist Bern selber, wo man die Gerechtigkeits-, die Kram- und die Junkerngasse abpatrouillieren muss; ferner kommen in Frage: Kohler, Kirchgasse; E. Bloch, Junkerngasse 1; F. Möri, Monbijoustr. (genauere Adressen im Telefonbuch); Jürg Stuker. Vor zwei Jahren war Meylan, Genf (Gd. Rue 31), besonders reich mit Mobiliar aus diesem Zeitraum eingedeckt – wenn Sie so weit reisen können.

Mit allen guten Wünschen für Ihren Beutezug, den ich am liebsten auch mitmachen würde, und mit freundlichen Grüssen»


(Briefkopie vom 23. Juli 1956 im Dossier der Kirche Ammerswil bei der Denkmalpflege des Kantons Aargau)




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