Reformierte Kirchen im Aargau

Ein Projekt der Refomierten Landeskirche Aargau
Stritengässli 10, 5001 Aarau, ag@ref.ch

 

Das Pestalozzi-Denkmal in unmittelbarer Nähe der Kirche Birr

Umgebung

Die Umgebung der Kirche Birr ist in ihrer Art sicher einzigartig, denn sie verfügt nicht nur über das Übliche wie Pfarrhaus, Kirchgemeindehaus und Friedhof, sondern auch über ein Denkmal der besonderen Art.

1768-70 erwarb der später so berühmt gewordene Schweizer Pädagoge Johann Heinrich Pestalozzi (1746–1827) in der Nähe von Birr Land und errichtete darauf ein stattliches Anwesen, den «Neuhof», den er als landwirtschaftlichen Musterbetrieb betreiben wollte:

«Nach seiner Rückkehr aus Kirchberg kaufte sich Pestalozzi 25 Kilometer von Zürich entfernt – im kleinen Dorf Birr, wo er heute begraben liegt - von über 50 Bauern als wenig ertragreich geltendes Wies- und Ackerland, insgesamt gegen 20 Hektar, und errichtete ausserhalb des Dorfs neue Gebäulichkeiten. Dieser ‹Neuhof› sollte fortan seine Wohnstatt werden, auch wenn er später auswärts zu wirken hatte. Er bewohnte und bewirtschaftete ihn bis 1798 und zog sich 1825 wieder auf ihn zurück, als er seine Erziehungsanstalt in Yverdon schliessen musste. Der Neuhof wurde während Pestalozzis Abwesenheit zuerst von dessen einzigem Sohn, der 1801 im Alter von 31 Jahren starb, dann vom zweiten Ehemann der überlebenden Witwe und schliesslich von Pestalozzis einzigem Enkel Gottlieb bewirtschaftet. Heute ist der Neuhof eine Erziehungs- und Berufsbildungsanstalt für gefährdete Jugendliche.»

(aus: «Neuhofjahre» im Internetauftritt des «Verein Pestalozzi im Internet»)

1827 verstarb Johann Heinrich Pestalozzi in Brugg und wurde am 19. Februar an der Aussenmauer des alten Schulhauses neben der Kirche Birr beigesetzt. Dort errichtet ihm der Kanton Aargau 1846, anlässlich seines hundertsten Geburtstages, an der Nordfassade das Pestalozzi-Grabdenkmal, das vom Badener Architekt Caspar Josef Jeuch erbaut wurde. Die Fresken wurden 1906 von Werner Büchli aus Lenzburg gestaltet. In Grisaillemalerei zeigt es Pestalozzi vor seinem Haus in Neuenhof (das das Bildzentrum bildet), umgeben von werkenden Jugendlichen, Kindern und Bittstellern.

Im unteren Bereich der Nordfassade ist die Rückwand beidseits des Denkmals mit Gurtgesimsen in ein horizontal gefugtes Sockelgeschoss und eine darüber liegende Zone mit grossen Putzfeldern gegliedert. Sie zeigen je einen halbplastischen Lorbeerkranz, darin – aufgeteilt – in goldgefassten Lettern die Initialen von Pestalozzi und die Jahrzahl, aufgeteilt in «H» und «18» (links) und «P» «46» (rechts).





Blick auf das Pestalozzi-Denkmal von 1846 und die Westseite der Kirche von der Strasse her



Die Wandmalerei an der Frontseite des Denkmals


Anna Schulthess (1738–1815) war die Ehefrau Johann Heinrich Pestalozzis, die ihn 1769 gegen den erbitterten Widerstand ihrer Eltern heiratete. Eine Reihe von Briefen an ihren zukünftigen Mann zeugen auf eindrückliche Weise davon und von der Liebe zwischen den beiden. Anna Pestalozzi-Schulthess unterstützte ihren Mann in jeder Hinsicht, auch finanziell. Sie kümmerte sich um viele praktische Belange in den von ihrem Mann begründeten Institutionen zur Versorgen von Waisenkindern.

Im 1996 erschienenen Buch «Meine getreue Schulthess: Ihr Leben mit Heinrich Pestalozzi» von Dagmar Schifferli wird dieser ungewöhnlichen Liebesgeschichte ein spannendes Denkmal gesetzt, und vor dem Pestalozzi-Denkmal findet sich eine Hommage an diese ungewöhnliche Frau in Form eines kreisrunden Bronzeplatte, die in der Art eines Siegels mit ihrem Gesicht in Seitenansicht und der Umschrift mit ihrem Namen gestaltet ist.



Ein bronzenes Denkmal für Anna Pestalozzi-Schulthess, die Ehefrau von Johann Heinrich Pestalozzi


Eine weitere Besonderheit findet sich in der südlichen Aussenfassade der Kirche. Eingelassen ist hier – neben der Grabplatte für den im nahem Bad Schinznach verstorbenen Basler Bürgermeister Andreas Buxtorf (1740–1815) – auch die Grabplatte des japanischen Pädagogen, Pestalozzi-Verehrers und Übersetzers seiner Schriften ins Japanische, Professor Arata Osada (1887–1961).

Professor Osada war ein japanischer Pädagoge, der ab 1917 an einem Schulversuch nach den Prinzipien von Johann Heinrich Pestalozzi beteiligt war, und zwar an einer Primarschule in Tokio, die vom Präsidenten des kaiserlichen Erziehungsrates gegründet worden war, dessen Assistent Osada war. 1921/22 und 1928 unternahm er Studienreisen in Europa, auch in die Schweiz. Von 1925–1953 war er Professor, seit 1945 Rektor an der Universität Hiroshima. Er war Gegner des nationalistischen Japan und wurde 1945 selber Opfer der Atombombe auf Hiroshima.

Arata Osada gilt als Begründer der japanischen Pestalozzi-Bewegung; er gab sämtliche Werkte Pestalozzi auf Japanisch heraus, wofür er 1960 den Ehrendoktor der Universität Zürich erhielt. Professor Osadas Asche wurde nach seinem Tod in der Nähe der Grabstätte Johann Heinrich Pestalozzis beigesetzt. Wie auf der schlichten Grabplatte vermerkt ist:

«HIER RUHT IN ERFÜLLUNG EINES LETZTEN PERSÖNLICHEN WUNSCHES DIE ASCHE»



Die schlichte Grabplatte von Professor Osada


Eduard Klopfenstein, emeritierter Professor der Japanologe, hat den Eintrag zum japanischen Verehrer von Pestalozzi im Historischen Lexikon der Schweiz verfasst (PDF, 88 KB).


Im weiteren findet sich nördlich der Kirche das Bourbaki-Denkmal aus dem Jahre 1899, das an die 22 Soldaten der sogenannten «Bourbaki-Armee» erinnern soll, die im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 gekämpfte hatten, in Schinznach-Bad interniert waren und dort verstarben. Auf dem Sockel finden sich zwei  Inschriften, auf Französisch und Deutsch:

«Ce monument est érigé à la
mémoire des soldats français
de l'armée de Bourbaki
morts à Schinznach en 1871.»

«Zur Erinnerung an die
22 Soldaten der französischen
Bourbaki-Armee, die 1871 in
Schinznach-Bad starben.»

Das Werk stammt vom französischen Bildhauers Frédéric-Auguste Bartholdi (1834–1904), der auch die Freiheitsstatue in New York geschaffen hatte. Es stellt eine geflügelte Viktoria dar.



Die geflügelte Viktoria des Bildhauers Frédéric-Auguste Bartholdi





Ebenfalls innerhalb des relativ kleinen architektonischen Ensembles um die Kirche Birr befindet sich das auf der Südseite das kirchliche Nebengebäude Kiraula (der Name ist ein Zusammenschluss von «Kirche» und «Aula». Es wurde 2011 eingeweiht und dient als Ort der Begegnung. Hier finden sich eine kleine Küche, die Räumlichkeiten für den Gebäudeunterhalt und die sanitären Anlagen. In den Sommermonaten findet hier nach dem Gottesdienst der Kirchenkaffee statt; Apéros im Zusammenhang mit kirchlichen Anlässen werden ebenfalls hier veranstaltet.




das kirchliche Nebengebäude «Kiraula», das im Mai 2011 eingeweiht wurde


Das klassizistische Pfarrhaus wurde 1888/89 erbaut und befindet sich auf der Strassenseite vis-à-vis der Kirche.


Das in unmittelbarer Nähe zur Kirche gelegene Pfarrhaus


Das zwei Gehminuten von der Kirche Birr entfernte Kirchgemeindehaus, das Pfrundhaus Lupfig, wurde 1986 eingeweiht und befindet sich bereits auf Lupfiger Boden. Hier ist das Sekretariat der Kirchgemeinde untergebracht.



Das bereits auf Lupfiger Boden gelegene Kirchgemeindehaus, das
«Pfrundhaus Lupfig»




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