Reformierte Kirchen im Aargau

Ein Projekt der Refomierten Landeskirche Aargau
Stritengässli 10, 5001 Aarau, ag@ref.ch

 

Die Frontansicht der Kanzel mit Familienwappen und Stifterinschrift, gestiftet vom Johann Friedrich II. von Breitenlandenberg

«Im Kranze dunkler Bäume ruht Birrwil an der Halde,
Schaut heiter in die Lande aus seinem grünen Walde,
Der blaue See danieden, er spiegelt das Gelände,
Mit Wald und Feld und Matten und all dem Fleiss der Hände.
Das Kirchlein schimmert ferne hinaus in weite Gauen,
Es lässt mit hellen Fenstern den Chor gen Morgen schauen.
Und in den Fenstern brennen der Wapppen Farbenspiele
Der Breitenlandenberger und derer von Hallwile.»


Der im 19. Jahrhundert solch Idyllisches über die Kirche Birrwil zu dichten wusste, war der Aargauer Politiker Augustin Keller (1805–1883) – weit weniger feinziseliert ging es freilich 1689 zu Zeiten des Johann Friedrich II. von Breitenlandenberg und zu Beginn des Neubaus zu! So weiss ein Eintrag im Chorherrenmanual 1689 folgende unerfreuliche Begebenheit über einen rabiaten Handwerker zu berichten:

«Den 24. April ist hier in dem Pfarrhouß in Gegenwart unseres wohledlen Junckeren Gerichtsherrn Joh. Fried. von Breitenlandenberg Chorgericht erhalten worden, und ward vorgestellt Hartmann Graff wegen einiger ungereimbter, leichtfertiger Worten, die er geredt. Da erstlich sagte er, als man gmeinwerchte und Stein zu dem Kirchenbau führte: Es sei niemand schuldig, daß man die Stein in die Kätzer abengheien müesse (verstunde dadurch den hindern theil des Kirchhofs hinder der kilchen) als die schönen Wylhöfer. – Darnach, als man den Platz zu der neuen Kirchen abgemessen, hat er abermahlen, als ein unverschambter gsell die Vorgesetzten und Meister Murer getadlet, und unverschambter und leichtfertiger weis sagen dörfen, wann die neue Kirche nit grösser werde als sie angspannen [ausgespannt, ausgesteckt] so schisse er drein.»

Hartmann Graff wurde mit 3 Tagen Gefangenschaft auf der Liebegg bestraft, zudem musste er den solchermassen beleidigten Vorarbeitern und den vier Chorrichtern je eine Geldbusse zahlen.

(nach: Jubiläumsschrift zur 800-Jahr-Feier: Birrwil 1185–1985, Seite 59)










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