Reformierte Kirchen im Aargau

Ein Projekt der Refomierten Landeskirche Aargau
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Von einem Pfarrherrn, der beim Güllen unterbrochen wurde

Auch nach der Verlegung des Gottesdienstes im Laufe des 16. Jahrhunderts von Elfingen nach Bözen blieb der Wohnsitz der Pfarrherren während dreihundert Jahren in Elfingen, wo ihnen ein Pfarrhaus in beachtlicher Grösse zur Verfügung stand. «Die damaligen Pfarrer in ländlich-bäuerlichen Verhältnissen hatten einen wesentlichen Teil der Nahrungsmittel wie Gemüse, Getreide etc. selber zu produzieren. so versteht es sich, wenn die einstigen Pfarrhäuser grosse Ähnlichkeit mit einem kleineren Gutsbetrieb aufwiesen.» Dies traf auch auf das Pfarrhaus in Elfingen zu, zu dem eine Scheune mit Holzschopf, ein Waschhaus, ein Schweinestall und ein Hühnerhaus gehörten: «Zur Existenzsicherung des Geistlichen war Pfrundgut und reichlich Pflanzland vorhanden» Mit der Selbstversorgung «ordnete sich der Pfarrer auf denkbar schönste Weise ins alltägliche Leben der Bevölkerung mit ihren Sorgen und Nöten aber auch ihren Freuden ein.»

Bemerkenswert ist, dass – offensichtlich ganz in dieser Tradition – beim Bau eines Pfarrhauses in Bözen (1824/25) auf die Erstellung eines separaten landwirtschaftlichen Gebäudes nicht verzichtet wurde. Der letzte noch in Elfingen ansässige Pfarrer, Gottlieb Schmitter (1821–1842) ist mündlich überliefert, «dass er nicht nur Theologe, sondern auch mit Leib und Seele Landwirt war.»

Von ihm wird auch folgende Geschichte erzählt: «So war er an einem Samstagnachmittag damit beschäftigt, seine Jauchegrube zu entleeren, was damals eine recht mühsame, Zeit und Kräfte raubende Angelegenheit war. Während der Pfarrer die Jauche wohl mit einem Trogkarren auf das Pfrundland beförderte und sie dort verteilte, tauchte bei ihm plötzlich ausser Atem ein Bote auf, der ihm die Meldung überbrachte, dass in Bözen drunten ein Hochzeitspaar auf die kirchliche Einsegnung durch ihn warte. Wie von einer Tarantel gestochen, begab er sich nach Hause, warf sich schnell in ein anderes Gewand, schwang sich auf sein Pferd und ritt im Galopp auf staubiger Strasse nach Bözen, wo er sich vor der Hochzeitsgesellschaft mit dem Hinweis, dass Irren menschlich sein, entschuldigte. Sicher hat man damals gütige Nachsicht walten lassen.»

Zu ergänzen wäre: Hoffentlich auch mit den möglicherweise etwas strengen olfaktorischen Begleiterscheinungen dieses fliegenden Wechsels von der landwirtschaftlichen Arbeit zur Ausübung des pfarrherrlichen Waltens...



nach: Hans Wassmer, Die Geschichte des Dorfes Bözen: «ze boze im deme dorfe», Brugg 1984.




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