Reformierte Kirchen im Aargau

Ein Projekt der Refomierten Landeskirche Aargau
Stritengässli 10, 5001 Aarau, ag@ref.ch

 

Bremgarten
Die Kirche Bremgarten von der Strasse aus gesehen mit Blick auf Kirchturm und Portalseite

Die Kirche Bremgarten

Eine Diasporakirche mit wechselhafter Chornutzung

Das Kirchlein von Bremgarten zeichnet sich mit seiner bescheidenen Dimension und seiner Lage etwas ausserhalb des Altstadtzentrums als typische Diasporakirche der Zeit um 1900 aus. Es handelt sich zudem um einen der letzten reformierten Schweizer Kirchenbauten des Historismus: Die vom Basler Architekten Julius Kelterborn gewählten Formen sind noch eindeutig der Neugotik verpflichtet, die als Kirchenbaustil kurz nach 1900 von freieren, bodenständigen Heimatstilformen abgelöst wurde. Die Kirche Bremgarten verkörpert jene letzte Phase der kirchlichen Neugotik in der Schweiz, die stark an England orientiert war, dessen bildhaft und handwerklich geprägte Architektur damals als besonders romantisch, malerisch und nachahmenswert galt. Dass sich die Repetition der Stile auf der anderen Seite allmählich am totlaufen war, bezeugt auch ein Konkurrenzentwurf für die Kirche des berühmten Schweizer Architekten Karl Moser von 1898: Mit frei empfundenen Anklängen an eine Neurenaissance wäre dieser Plan angesichts seiner Entstehungszeit moderner und origineller dahergekommen und hätte die Trends des reformierten Kirchenbaus stärker berücksichtigt. Der Entwurf fand aber keine Gnade und man wählte die traditioneller wirkende Architektur Kelterborns. Diese lässt sich unter anderem auch daran erkennen, dass der Architekt wie bis 1900 üblich im Anschluss an das Langhaus einen Chor entwarf. Vielleicht landesweit einer der kleinsten seiner Art, handelte es sich aber nur äusserlich um einen Chor – funktional hingegen war er nichts anderes als eine Nische für die in der zentralen Kirchenachse aufgestellte Kanzel. Die Zeiten änderten sich und in der Nachkriegszeit wurde diese Kanzel als zu heroisch abgelehnt. Sie wich einer wesentlich kleineren, niedrigeren Einrichtung, die zudem seitlich platziert wurde, so dass der Chor frei wurde. Auch diese Situation der Leere befriedigte auf die Länge nicht, und 1999/2000 wurde aus dem Chor ein Rundfenster herausgebrochen, das nun zusammen mit der künstlerischen Arbeit von Jan Dudesek wieder sein ‹Auge› erhielt.

Verfasst von Matthias Walter
Fotos von Roger Wehrli





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