Reformierte Kirchen im Aargau

Ein Projekt der Refomierten Landeskirche Aargau
Stritengässli 10, 5001 Aarau, ag@ref.ch

 

Wappenscheibe der Verena von Büttikon in der Kirche Brittnau aus den 1520er-Jahren
Foto © Hans Fischer

Die Glasmalereien

Das älteste Glasgemälde der Kirche Brittnau stammt aus der Zeit um 1520 und dürfte von Hans Funk (um 1470–1540), dem damals führenden Berner Glasmaler, geschaffen worden sein. Die Wappenscheibe stellt eine Stiftung von Verena von Büttikon an das damals noch mittelalterliche Gotteshaus dar. Verena war eine Nichte Georgs von Büttikon, der seine herrschaftlichen und kirchlichen Rechte in Brittnau 1516 an Bern veräusserte, und die Tochter Jakobs II. von Büttikon, seines Zeichens Herr zu Kulm und Rued, der 1522 in der Schlacht bei Bicocca als Offizier im Regiment Ludwigs von Diesbach fiel.

Über den Grund für diese Scheibenstiftung liegen keine Erkenntnisse vor. Sie befindet sich zusammen mit der Gemeindescheibe von 1905 am unteren Ende des Spitzbogenfensters zwischen Nordeingang und Kanzel.

1878 beabsichtigte der Gemeinderat Brittnau die Büttikon-Wappenscheibe für 250 Franken zu verkaufen, wurde aber von den Gemeindebürgern daran gehindert. Am 14. Mai 1881 entwendete ein Dieb das kostbare Stück, welches glücklicherweise in Basel sichergestellt und wieder nach Brittnau zurückgebracht werden konnte.

Gegenüber der Büttikon-Scheibe ist ein deutlich kleineres Glasgemälde im Spitzbogenfenster zwischen Südeingang und Chorbogen vorhanden. Gestiftet wurde sie vom damaligen Landvogt des bernischen Oberamtes Aarburg Johann Rudolf Matthey. Der gebürtige Berner amtierte 1696–1702 auf der Festung Aarburg und war damit auch für Brittnau zuständig. Die Scheibenstiftung erfolgte im Rücktrittsjahr des Landvogtes und dürfte vom Zofinger Glasmaler Johann Jakob Müller (1660–1712) geschaffen worden sein.

Wappenscheibe des Aarburger Landvogts Johann Rudolf Matthey in der Kirche Brittnau von 1702
Foto © Hans Fischer

1905 schuf der bekannte Zürcher Glasmaler Georg Röttinger (1862–1913) mit der Gemeindescheibe von Brittnau ein Pendant zur Büttikonscheibe. Die beiden Glaskunstwerke wurden zunächst im, dem Chor am nächsten gelegenen Südfenster positioniert, 1968 dann an ihren heutigen Standort transferiert. Dabei wurden die Einfassungen und Ergänzungen Röttingers entfernt.

Georg Röttinger: Gemeindescheibe von Brittnau mit dem Bannerträger von 1905


Anlässlich der Kirchenrenovation von 1968/1969 war es der Gemeinde möglich, die drei Chorfenster und die Fenstermasswerke im Schiff mit neuen Glasmalereien zu versehen. Karl-Heinz Bürger in Brittnau schuf die Glasgemälde nach Entwürfen des Aargauer Künstlers Fritz Strebel (1920–1997). Die Masswerke im Schiff sind thematisch gegliedert in die Passionsgeschichte auf der Nordseite sowie in die Taufe und Menschwerdung Jesu auf der Südseite.



Die Chorfenster von Fritz Strebel in der Gesamtansicht

Die drei grossen Fenster im Chor zeigen links den lehrenden und schenkenden Jesus (Speisung der Fünftausend, Tauben als Symbol der Seligpreisungen), in der Mitte die Auferstehung als wichtigste Verheissung des Evangeliums (Engel am leeren Grab, die drei Frauen, die gekommen waren, den Leichnam Christi zu salben) und schliesslich auf der rechten Seite das vieldeutige Bild mit dem Zeichen des Kreuzes, Häusern und Türmen (die Gemeinde darstellend) und die Steinigung des Stephanus (Apostel 6 und 7). Diese Symbolik verweist auf die wahre Kirche, die zum Martyrium fähig sein muss, aber auch auf die Anfechtungen, denen Christen im Alltag ausgesetzt sind.


Ausschnitt aus dem Masswerk des linken Chorfensters: die Tauben als Symbole der Seligpreisungen
Foto
© Kirchgemeinde Brittnau

Kurt Buchmüller hat die Arbeit des Künstlers 1976 treffend charakterisiert: «Fritz Strebel schuf mit diesen Glasgemälden ein Werk von hohem künstlerischem, geistigem und religiösem Gehalt. Ihre Aussage ist nicht sofort zugänglich. Sie verlangen, dass man sich mit ihnen auseinandersetzt. Dann aber kommt das Verständnis für die Beziehungen, die der Künstler mit seinen Bildern einerseits zum Evangelium und andererseits zum Streben und Suchen des Menschen nach dem Gültigen und Bleibenden schafft».




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