Reformierte Kirchen im Aargau

Ein Projekt der Refomierten Landeskirche Aargau
Stritengässli 10, 5001 Aarau, ag@ref.ch

 

Die Pietà aus der Zeit um 1400, die anlässlich der Reformation von 1528 vor der Zerstörung gerettet und nach Wikon in Sicherheit gebracht worden sein soll.

Eine gerettete Pietà

Gemäss einer lokalen Reformationssage wurde eine Pietà (Muttergottes mit dem verstorbenen Jesu Christo) von Brittnau nach Wikon in die Schlosskapelle gerettet, wo sich die Statue noch heute befindet.

Das Kunstwerk stammt aus der Zeit um 1400 und stellt eine Maria von schmächtiger Gestalt in einem schweren, hängenden Gewand und mit einem Schleier dar. Sie hält mit beiden Händen den leicht geknickten Leichnam des Sohnes.

Ernst Buchmüller fasste die Sage um die gerettete Pietà so zusammen, dass im Glaubensstreit (Reformation 1528) die Brittnauer aus ihrer Kirche ein Marienbild herausholten und es in den Dorfweiher warfen. Eine fromme Frau habe es herausgezogen und auf den Brunnen gestellt. Da seien dem Bild Tränen über das Antlitz geronnen. Leute aus Wikon, wo noch der alte Glauben galt, hätten es nachts geholt und in die Schlosskapelle gebracht. Dort steht die Marienstatue heute noch. Ein langes Gedicht auf einer Holztafel erinnert an den Vorfall.

Während des Glaubensstreites im Wiggertal (Reformation 1528) drangen eifrige Leute in Brittnau in die Kirche ein und nahmen Bilder, Bücher und Geräte heraus. Ein Marienbild lag tags darauf im Dorfweiher. Eine fromme Frau zog es heraus und stellte es auf den Brunnen. Da weinte das Bild, und Tränen rannen ihm über das Antlitz. Leute aus dem benachbarten Wikon, wo der alte Glaube noch galt, holten das Bild in der Nacht und brachten es in die Schlosskapelle , wo es noch ist. In der folgenden alten Form ist diese Sage dort auf einer Holztafel.

«Merk auf mein Christ und hör mich an,
Ein Wunder ich will sagen,
So Gott an diesem bilt gethan
und hat sich zugetragen.

Als Brittnau von dem Glauben
abgefallen wie die Blinden,

dis bilt sie geworfen in ein Grab,

das mans nit mehr solt finden.

Verborgen aber ohn' Gebühr
im Grab es nit wolt bleiben

und kerne wieder selbst herfür,

all Unehr zu vermeiden.

Brittnau aber ein lose roth,
ohn Furcht und unbesunen

das bilt zu einem Hon und Spott

setzten auff ein Brunnen,

bis das von Brittnau kam ein Weib,
das Wasser heim zu tragen.
Standhaft sie war an seel und Leib
thut nit lang weiters fragen.

Dis bilt sie name mit Andacht,
weil sie Mariam ehrte,

und hat es bald alhär gebracht,

damit sein Spott auff hörte,

und hier verehrt würd nach Gebühr
mit Andacht und mit Trauwen,

uns Schutz zu geben für und für,

wenn wir auff sie bauwen.

Darum mein Sünder ruofe an,
Mariam fleißig ehre,

damit sye dir wol zuo gethan,

in dir die Gnad vermehre,

auf das sie dich von aller gefahr
beschütz von sünd und schanden,

hier zeitlich und dort ewig Jahr,

vor strickh und Teuffels Banden.

Zu disem endt, o Jungfraw rein
hat diß ernüwern lasen

Schloßvogt pfyffer dir zuo ehr

und deinem sohn darneben.

Dein Huld und Gnad in ihm vermehr.

Gib igm das ewig leben. Amen. 1711»


Kurt Buchmüller. Brittnauer Dorfgeschichte im Blickpunkt von einst und heute. Brittnau 2008.




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