Reformierte Kirchen im Aargau

Ein Projekt der Refomierten Landeskirche Aargau
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Buchs
Der Wandteppich der Schweizer Textilkünstlerin Elsi Giauque mit einem Zitat aus dem Matthäus-Evangelium: «Einer ist euer Meister, Christus, ihr aber seid Brüder.» (Mt 23,8) und dem Christusmonogramm mit den griechischen Buchstaben Alpha und Omega

Wie ein Wandteppich zu Diskussionen und letztlich zu einer neuen Skulptur führte

Der Wandbehang im Chor der Buchser Kirche ist schon wegen seiner Grösse ein Blickfang. Er trägt, gut lesbar in goldbraunen Buchstaben auf weissem Grund, ein Zitat aus dem Matthäus-Evangelium: «Einer ist euer Meister, Christus, ihr aber seid Brüder.»(Mt 23,8). Darunter steht das griechische Christusmonogramm, begleitet von den griechischen Buchstaben Alpha und Omega («Ich bin das Alpha und das Omega, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende», sagt Christus in der Offenbarung 22,13.).

Der Wandteppich gehört zur Originalausstattung der Kirche. Geschaffen wurde er 1951 von der Schweizer Textilkünstlerin Elsi Giauque (1900—1989), einer Schülerin von Sophie Taeuber-Arp (1889—1943, nach einem Entwurf des Grafikers Ernst Keller (1891—1968). Keller, Dozent an der Kunstgewerbeschule Zürich, ist in Buchs aufgewachsen. Als Grafiker legte er grossen Wert auf die Schrift; auf seinen Plakaten und Wandteppichen spielt sie die Hauptrolle.

Die Wahl des Bibelzitats für den Buchser Wandbehang kann so kurz nach Ende des 2. Weltkrieges auch politisch verstanden werden: Nicht einem Diktator soll das Volk folgen, sondern Christus. Die Diskussion, die vor 20 Jahren in der Kirchgemeinde über den Wandschmuck geführt worden ist, war aber keine politische, sondern eine feministische: Einige Mitglieder der Kirchgemeinde störten sich daran, dass im Zitat von Brüdern, nicht aber von Schwestern die Rede ist. Was tun? Die Inschrift ergänzen oder den Teppich gleich ganz entfernen? Dann würde man die gut erhaltene bauzeitliche Innenausstattung zerstören. Man entschied sich schliesslich, dem Wandbehang ein weiteres Kunstwerk gegenüberzustellen, und zwar nicht im Innern der Kirche, sondern auf dem Vorplatz. Seit 1999 steht dort eine Skulptur des Lenzburger Künstlers Ernst Häusermann (*1947). «Die Welle» soll die Bipolarität der Welt, die sie zu einem Ganzen macht, betonen: das Innere und das Äussere, das Weibliche und das Männliche, der Glaube in der Kirche, im Dorf und in der Welt. Und nicht zuletzt soll die Bronzeskulptur auch ein Ort des Verweilens sein: eine Sitzgelegenheit für Kirch- und Spaziergänger, ein Spielgerät für Kinder.




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