Reformierte Kirchen im Aargau

Ein Projekt der Refomierten Landeskirche Aargau
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Der temporär als Vogelbad zweckentfremdete Taufstein, der nun auf eichernem Sockel wieder in seiner originalen Funktion auf lauschigem Platz vor der Kirche steht und im Sommer für Tauffeiern genutzt wird

Egliswil – die Kirche mit zwei Taufsteinen: im Chor und open air!

Der schlichte gotische Taufstein von 1614 in der Kirche Egliswil stammte aus der alten, 1820 abgebrochenen Kirche Seengen. Noch im gleichen Jahr wurde er der Kirche Egliswil überlassen und ersetzte dort den bestehenden Taufstein aus schwarzem Marmor, der aus dem frühen 17. Jahrhundert stammte.

Dieser ausgemusterte Taufstein wurde jedoch nicht zerstört oder fortgeworfen, sondern während Jahrzehnten im Kirchturm gelagert.

Sommer 2007: Pfarrer David Jentzsch wartet auf ein trauwilliges Brautpaar, lässt seinen Blick schweifen, der schliesslich vor seinen Füssen endet, direkt neben dem Eingangsportal der Kirche, wo ein Vogelbad in den Boden eingelassen wird, das vom Wasser aus der Dachtraufe des Klebdächleins über dem Portal gespeist wird. «Pfarrer Jentzsch erinnerte sich, dass er im gleichen Sommer beim Aufräumen des Kirchenarchivs auf die historische Schrift von Dr. Reinhold Bosch über die Kirche Egliswil gestossen war. Diese Schrift wurde anlässlich der Kirchenrenovation von 1946 verfasst. Im Turm soll der frühere Taufstein der Kirche eingelagert sein, doch im Turm liess sich der angebliche Taufstein nicht finden. Der Taufstein als Vogelbad? Die Zeit, den Schleier zu lüften, sollte noch kommen.»

Einige Zeit später, im September 2011 griffen Pfarrer Jentzsch und der Präsident der Historischen Vereinigung Seetal, Daniel Humbel, persönlich zur Schaufel, und siehe da: Der ausgegrabene Stein passte zur Beschreibung des früheren Taufsteins in der erwähnten historischen Schrift Bosch. Allerdings erschien der ausgegrabene Stein farblich anders. Es bedurfte es erst der Expertise des Berner Restaurators Urs Zumbrunn, der feststellte, dass der Stein tatsächlich aus schwarzem Marmor bestand. Er sollte den Taufstein dann auch fachmännisch reinigen und restaurieren.

Wie nun konnte der ovale, kelchförmige Taufstein zur Vogeltränke mutieren? Pfarrer Jentzsch mutmasste: «Er muss wohl einem ordnungsliegenden Kirchensigristen den Platz im Turm versperrt haben.» Aber immerhin diente er viele Jahre einem guten Zweck, denn – wenngleich Menschentaufe und Vogeltaufe nicht ganz dasselbe sind – schliesslich gehören auch Vögel zur Schöpfung Gottes! So gesehen ist die Überschrift «Der Egliswiler Taufstein, der zum Vogelbad verkam», über den 2012 im «Seetaler/Der Lindenberg» berichtet wurde, nicht ganz zutreffend.

Der wiederentdeckte frühere Taufstein dient seit Sommer 2012 wieder seinem ursprünglichen Zweck: Er ruht nun auf einem Eisensockel «und bildet nun das Zentrum des neu angelegten, liturgischen Platzes im Schatten der beiden grossen Buchen» auf dem nordseitigen alten Friedhof der Kirche. Hier werden seither im Sommer Tauffeiern abgehalten, und das Fazit lautet: «Egliswil ist nicht nur um einen neuen liturgischen Platz für Taufen und Hochzeiten, sondern auch um einen lauschigen.» Und dies nach 192 Jahren

(Zitate aus der «Aargauer Zeitung» vom 5. Juli 2012)





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