Reformierte Kirchen im Aargau

Ein Projekt der Refomierten Landeskirche Aargau
Stritengässli 10, 5001 Aarau, ag@ref.ch

 

Gespannt verfolgt 1932 die ganze Gemeinde Erlinsbach und viele Besucher der Umgebung den Glockenaufzug. Hier zu sehen die grösste Glocke, die durch das Südfenster des Turms in den Glockenstuhl eingehängt wird.

Die Glocken

Glocken sind seit Jahrhunderten ein unverzichtbares akustisches Merkmal einer Kirche. Sie charakterisieren durch ihren Klang das Geläut und rufen die Gläubigen zum Gottesdienst. Mit der Einführung der Turmuhren markierten sie die wichtigen Tageszeiten oder schlugen sogar die Stunden. Die älteste nachweisbare Glocke in der reformierten Kirche von Erlinsbach aus dem Jahr 1674 dürfte wohl mindestens eine Vorläuferin gehabt haben.

Der alte Glockenbestand

Im Turm der reformierten Erlinsbacher Kirche hingen bis ins 20. Jahrhundert hinein drei alte Glocken mit einem Gewicht von 668 kg, 318 kg und 150 kg, die in den Jahren 1674, 1699 sowie 1831 gegossen worden waren. Von diesem dreistimmigen Geläut ist nur die Glocke von 1699 erhalten geblieben. Sie trägt die Inschrift «o volck durch meinen thon vernimm, das du solt hören gottes stimm». Daneben sind Namen bedeutender und zuständiger Amtsträger in der Glockenbronze verewigt, so von Rudolf Bucher, dem damaligen Deutschsäckelmeister (bernischer Finanzverwalter), Abraham Tillier, dem Hofmeister des ehemaligen Klosters Königsfelden, dann des Obervogts der Landvogtei Biberstein Anton Zehender und schliesslich des zu Erlinsbach amtierenden Prädikanten Hans Kaspar Lienhard. Als Schmuck ist eine Berner Wappentafel angebracht.

Ein vierspänniges Pferdefuhrwerk transportierte im Frühjahr 1932 – wie auf dieser Fotografie zu sehen ist  – die beiden grösseren Glocken des neuen Geläutes auf die Südseite des Turms, von wo sie mit tatkräftiger Unterstützung der Schuljugend zur Glockenstube aufgezogen wurden. Den Glockenguss unterstützte damals auch die Bevölkerung der solothurnischen Gemeinden Ober- und Niedererlinsbach mit einem namhaften Betrag. Das wenig später installierte neue Geläut der benachbarten katholischen Kirche in Niedererlinsbach/SO wurde zudem exakt auf die Stimmung der hiesigen Glocken angepasst.


Das neue Geläut von 1932

Nachdem 1931 die grösste Glocke des alten Geläuts einen nicht mehr reparierbaren Sprung erhalten hatte, beschloss die Gemeinde, trotz der herrschenden Wirtschaftskrise, ein neues Geläut anzuschaffen. Mit Ausnahme der kleinsten Glocke von 1699 wurden die beiden anderen eingeschmolzen und für den Guss neuer Glocken wiederverwendet. In der Glockengiesserei Rüetschi entstanden so am 12. März 1932 in Anwesenheit der Erlinsbacher Gemeindebehörden vier neue Klangkörper, die zusammen mit der alten Glocke von 1699 bis heute ihren Dienst versehen. Es sind dies:

1. Die «Ewigkeitsglocke» gestimmt auf den Ton dis, mit einem Durchmesser von 137 cm und einem Gewicht von 1 563 kg. Inschrift: «Ehre sei Gott in der Höhe».

2. Die «Gebetsglocke» mit dem Ton fis, einem Durchmesser von 114 cm und einem Gewicht von 902 kg. Inschrift: «Friede auf Erden».

3. Die «Glaubensglocke» mit dem Ton gis, einem Durchmesser von 103 cm und einem Gewicht von 635 kg. Inschrift: «Kommet, lasset uns beten».

4. Die «Totenglocke» mit dem Ton h, einem Durchmesser von 85 cm und einem Gewicht von 370 kg. Inschrift: «Sei getreu bis in den Tod».

5. Die «Freudenglocke» (von 1699) mit dem Ton dis (eine Oktave höher als die grösste Glocke), einem Durchmesser von 60 cm und einem Gewicht von 150 kg.




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