Reformierte Kirchen im Aargau

Ein Projekt der Refomierten Landeskirche Aargau
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Das katholische Kreuz statt dem reformierten «Güggel» auf der Turmspitze der reformierten Kirche Muri

Güggel oder Kreuz? Das ist hier die Frage!

von Pfarrerin Bettina Lukoschus

«Die Reformierte Kirche Muri ist im Jahr 1955 erbaut worden – und von Anfang an trägt sie auf dem Dach des Kirchturms ... ein Kreuz. Und nicht einen «Güggel», wie man es von einem veritablen reformierten Kirchturm erwarten würde. Jedenfalls hier in der Schweiz.

Ich weiss noch, wie anfangs der 90er Jahre in Mönchengladbach gleich neben «unserer» Christuskirche das Gemeindezentrum gebaut wurde. Wie es Brauch ist, haben die Architekten zum Abschluss ein Geschenk gemacht: auf dem Kamin des Kupferdachs wurde ein herrlicher Güggel installiert, was aber keine Freude auslöste, sondern vielmehr einen Sturm der Entrüstung in der Lokalzeitung in Form von Leserbriefen: «Sind wir Evangelischen denn jetzt katholisch geworden?» Die Architekten waren recht konsterniert, wollten sie doch nur eine Freude machen – und keinen Aufruhr anzetteln. Die Erklärung war: einer der Architekten kam aus dem süddeutschen Raum – und dort ist der Güggel das Symbol der Evangelischen. Im Rheinland ist es das Kreuz.

Und hier in Muri? Das Kreuz auf der katholischen und auf der reformierten Kirche. Und der Güggel? Ja, den gibt’s auch! Auf einem kleinen Turm der Klosterkirche! Was für ein zwar kleiner aber doch markanter – mit ausgeprägtem Federschweif – goldener Güggel!

Wie es zum Kreuz auf der Reformierten Kirche kam, weiss kaum jemand. Neulich bei einem Besuch zum 90. Geburtstag: die Jubilarin lebt schon lange in Muri und hat den Kirchenbau miterlebt. Ihr Sohn half damals beim Glockenaufzug. Für die Kinder von Muri gab es zum Dank Bratwurst und Apfelmost. Die Jubilarin nutzte die Gelegenheit, einen der grossen Spender an den Kirchenbau zu befragen, Herrn Robert Wild. Seine schlichte Antwort: «Ich wurde gebeten, eine Glocke zu spenden. Und nun das Kreuz. Das passt jetzt eben nicht mehr, auch noch einen Güggel.» Mit anderen Worten: jetzt reicht es mal mit Spenden und «Ich weiss es auch nicht.» Und so wissen wir bis heute nicht, wie das Kreuz auf den Kirchturm der Reformierten Kirche kam.

Eine Erklärung aber sei genannt: schon oft habe ich gehört, es sei aus Sympathie geschehen – wegen des guten Einvernehmens mit der katholischen Gemeinde.»

(Leitartikel von Bettina Lukoschus für die Gemeindeseite im «reformiert.» vom Juli 2013)

Anmerkung Matthias Walter: Im Beitrag zur reformierten Kirche Oftringen, deren Turm 1934 ebenfalls ein Kreuz erhielt, findet sich eine mögliche Erklärung, weshalb auch ein Kreuz für reformierte Kirchen ein willkommenes Symbol auf der Turmspitze war.




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