Reformierte Kirchen im Aargau

Ein Projekt der Refomierten Landeskirche Aargau
Stritengässli 10, 5001 Aarau, ag@ref.ch

 

Das Weihnachtsfenster von Paul Eichenberger aus dem Jahre 1955

Glasmalerei

Die Kirche Reinach verfügt über schöne und in einigem sehr besondere Glasmalereien. Bemerkenswert ist vor allem die künstlerische und stilistische Kombination des zentralen Chorfensters mit den übrigen Fenstern in Chor und Schiff. Sie wurden von zwei Künstlern gestaltet, vom Zürcher Friedrich Berbig (1845–1923) und von Paul Eichenberger (1891–1984) aus dem nahe gelegenen Beinwil am See.

Das zentrale Chorfenster von 1888 stammt von Friedrich Berbig, der unter anderem auch für die Kirche Menziken und mehrere Kirchen im Kanton Zürich Fenster gestaltet hat. Das Fenster in der Kirche Reinach zeigt den auferstandenen Christus über dem Grab.

Das Fenster von Friedrich Berbig ist im typischen Stil ausgangs des 19. Jahrhundert dargestellt: historisierend, in vielem realistisch und mystifizierend zugleich. Der Auferstandene steht im Bildzentrum und thront über dem Grab, während der eine Soldat zu Boden gesunken ist und der andere mit seinem Schild den überirdischen Glanz von Christus abschirmt. Auf der Rechten Seite erscheint ein sitzender Engel mit einem Palmzweig in der linken Hand, die Rechte auf die Brust gelegt. Der Auferstandene mit Kreuznimbus, eine heroische Gestalt in triumphierender und zugleich segnender Geste. Er wird umgeben von einer grossen goldener Strahlenaura und einem Wolkenkranz, blickt die Betrachter direkt und eindringlich an, in der zeittypischen Mischung von elaborierter Schönheit, Strenge und Milde zugleich. Sein Ausdruck lässt auch an Pantokrator-Darstellungen der byzantinischen und der Ikonenkunst denken. Das Ganze wird eingerahmt von einem Wimperg, einer gotisierenden Architektur mit kunstvoller Giebelbekrönung.

Das Chorfenster steht als Singulärerscheinung innerhalb des Bildprogrammes der Kirche Reinach.

Der Gegensatz zum zweiten Chorfenster von Paul Eichenberger ist frappant, fast provokativ. Dies zeigt sich vor allem beim Vergleich der beiden Chorfenster. Dies ist vom Schiff her allerdings nicht möglich, sondern nur im Chor selber. Während Friedrich Berbigs Fenster in den zeittypischen und gotisierenden, schwelgerischen Farbtönen mit viel Gold erscheint, besticht Paul Eichenbergers Fenster durch eine frische, klar und transparent wirkende Farbgebung und schlicht, aber mit vielen feinen Details gestaltete Figuren.

Das zentrale Chorfenster von Friedrich Berbig zeigt den Auferstandene über dem Grab

Das Bildprogramm der Glasmalereien von Paul Eichenberger

Paul Eichenbergers Glasmalereien in dieser Kirche lesen sich – anders als in der sakralen Glasmalerei üblich – von oben nach unten!

Das seitliche (südöstliche) Chorfenster und die acht Fenster im Schiff wurden 1955 von Paul Eichenberger gestaltet. Von ihm sind auch Fenster in den Kirchen Gontenschwil, Beinwil am See und Niederlenz. Die Fenster in Reinach präsentieren ein komplexes Bildprogramm aus dem Alten und dem Neuen Testament. Sie wurden von der Firma Mäder und Co. in Zürich ausgeführt.
 

Das Chorfenster von Paul Eichenberger mit Darstellungen aus dem Gleichnis vom verlorenen Sohn

Das (südöstliche) Seitenfenster von Paul Eichenberger: Es zeigt das Gleichnis vom verlorenen Sohn nach Lukas 15,11-32. Der verlorene Sohn verlangt vom Vater sein Erbe; beim zügellosen Leben; ganz unten bei den Schweinen und schliesslich die glückliche Rückkehr.

Fenster im Schiff links

  • links vorne: vier Medaillons zum Neuen Testament: die Fusswaschung der Sünderin, Maria und Marta, Noli me tangere, der ungläubige Thomas.
  •  links Mitte: ein Prophetenfenster, oben der Prophet Jesaja, unten der Prophet Jeremia.
    Jesaja von links nach rechts: Berufung des Jesaja (Jes 6), König Hiskia.
  • links hinten: David und Bathseba in vier Medaillons: David erblickt Batheseba beim Bade; Nathan und David; Trauer über den Tod des ersten gemeinsamen Kindes; David und Bathseba mit dem zweiten Kind, dem späteren König Salomo.

Fenster im Schiff rechts

  •  rechts vorne: Weihnachtsfenster in vier Medaillons, von unten nach oben: die heiligen drei Könige; Jesus in der Krippe, die Hirten auf dem Feld und zuoberst drei Engel.
  • rechts Mitte: Kreuzigungsfenster, zuunterst die würfelnden Soldaten, die schlafenden Wächter, Kreuzesabnahme und zuoberst der Gekreuzigte.
  • rechts hinten: Christusfenster mit der Inschrift: «JESUS CHRISTUS UND DERSELBE IN EWIGKEIT».

Zuhinterst sind zwei Alttestaments-Fenster von 1966 zu finden. Sie werden teilweise durch die Empore verdeckt).

Fenster links: Abraham opfert Isaak, Rebekka am Brunnen, Jakobs wird der blutige Rock Josephs gezeigt, Joseph und seine Brüder.

Fenster rechts: Adam und Eva, die Schlange, der Sündenfall, Vertreibung aus dem Paradies.

Weissfensterausschnitt im Vorraum mit gotisierenden Ornamenten 

Auch im Vorraum sind Glasmalereien zu sehen, weitgehend Grisaillenfenster mit verzierten Randornamenten und ornamentalem Schmuck des Masswerks.




Reformierte Kirchen im Aargau

Startseite | Suchen | Übersicht Kirchen