Reformierte Kirchen im Aargau

Ein Projekt der Refomierten Landeskirche Aargau
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Von Hochzeiten und Beerdigungen der Familie May im Ruedertal

Über die Anhänglichkeit der Berner Herrschaftsfamilie May an «ihr» Ruedertal und «ihre» Kirche wurde bereits berichtet. Selbst nachdem die Familie Mitte des 19. Jahrhunderts das Schloss für immer verlassen hatte, liessen sich ehemalige Bewohner im Rueder Kirchhof beerdigen. Auch die hier gefeierten Hochzeiten waren für die bäuerliche Bevölkerung des Tals Höhepunkte ihrer Lebenserinnerungen. Wann fuhren schon Hochzeitsgesellschaften mit fünf Kutschen vor wie dies der Fall war beim Eheschluss des Liebegger Schlossherrn Friedrich von Diesbach mit der Nichte des Rueder Schlossherren Sophie May von Brestenberg am 7. September 1832. In der «Haus Cronik» von C. F. R. May von Rued ist darüber zu lesen: «Der Weg über den Gottesaker in die Kirche und auch diese waren mit Blumen geziert. Die Schuhlkinder empfiengen die Brautleute mit Gesang. Im Moment der Trauung beym Aussprechen des Ja Worts feuerten Böller auf den Anhöhen gegenüber dem Schloss und sezten dieses fort, bis man wieder zu Hause angelangt war. Um 5 Uhr gieng man zu Tisch, der mit 24 Gedeken und schmakhaften Speisen besezt war, zu denen man Sendungen aus Bern und Arau verschrieben hatte. Man schied um 8 Uhr voneinander, jedermann mit den Anordnungen des Fests sehr zufrieden. Auch die Schuhlkinder und die Armen des gantzen Ruederthals waren durch das Brautpaar reichlich beschenkt worden».

Der Sohn des Schlossherrn Carl May von Rued mit dem Namen Sigmund Amadeus starb 1883 in seinem Haus in Bern. Dorthin hatte er sich aus Ärger über den Lebenswandel seines Schwiegersohns Hans von Hallwyl zurückgezogen. Er verfügte, nach seinem Tod in Rued begraben zu werden. Der ehemalige Schlossverwalter Hofer und Christian Lüthi, beide aus dem Ruedertal, erhielten den Auftrag, den Leichnam in die alte Heimat zu überführen. Spät nachts erreichten sie Rued, wo der Verstorbene im Pfarrhaus aufgebahrt wurde. Am Tag der Beerdigung soll eine feierliche Stille über dem Tal gelegen haben und jeder Einwohner sah es als seine Pflicht an, dem ehemaligen Junker die letzte Ehre zu erweisen. Die Kirche vermochte nur einen Teil der Trauergemeinde aufzunehmen. Nach dem Gottesdienst wurde Sigmund Amadeus May im Familiengrab beigesetzt, wo bis heute ein schlichter Gedenkstein an ihn erinnert.

Behörden und Angehörige erhielten im «Storchen» ein Essen serviert. Zudem waren alle Wirtschaften im Tal angewiesen, der Bevölkerung kostenlos Essen und Getränke abzugeben. Für einmal – so der Wille des Verstorbenen – sollte sich besonders die arme Bevölkerung richtig sattessen können.

Auch die Tochter von Sigmund Amadeus May‚ Esther von Hallwil, wünschte, nach ihrem Tod in Rued begraben zu werden. Dieser Wunsch wurde ihr 1899 erfüllt.




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