Reformierte Kirchen im Aargau

Ein Projekt der Refomierten Landeskirche Aargau
Stritengässli 10, 5001 Aarau, ag@ref.ch

 

Die Glocken

Ein anonymer Spender liess über eine Aarauer Bank der Kirchgemeinde 1920 die Nachricht überbringen, dass er über 10.000 Franken an ein neues Geläut spende, wenn die Kirchenbaufrage bis zum 1. Juni 1921 gelöst sei. Sosehr das verdächtig nach einer kleinen Erpressung eines Neubaufreundes riecht, so stellte der Stifter klar, dass er die Spende unabhängig vom Entscheid über Alt- und Neubau ausrichte. Bereits im Frühling 1921 ging eine weitere anonyme Glockenspende von 27'000 Franken ein – ein beträchtlicher Betrag, wenn man bedenkt, wie in Sachen Erhaltung der alten Kirche um Mehrkosten von 1000 oder 2000 Franken gezankt werden konnte.

Für das neue 1922 bei Rüetschi AG in Aarau gegossene Geläut wurden die beiden grossen Glocken der alten Kirche eingeschmolzen. Ähnlich wie beim abgebrochenen alten Kirchenbau fragt es sich, weshalb historisch bedeutende, noch funktionstüchtige Glocken nicht beibehalten und allenfalls ergänzt werden konnten, sondern geopfert wurden. Der Glockengiesserei sollte es recht sein, denn beim Guss eines neuen Gesamtgeläuts war es einfacher, eine musikalische Reinheit innerhalb des Geläuts zu erreichen, während Zugüsse immer das Risiko enthielten, dass der Ton nicht mit den vorhandenen Glocken harmonierte. So erklingt denn ein komplettes 1922 gegossenes Geläute vom Turm der heutigen Kirche, landesweit eines der frühen in Dur-Pentatonik. Die Glocken tragen das Wappen von Rupperswil und haben folgende Töne, Masse und Inschriften:

1. Ton d´, Durchmesser 142 cm, Gewicht 1698 kg: «O REX GLORIAE VENI CUM PACE.»

2. Ton e´, Durchmesser 128 cm: «EHRE SEI GOTT IN DER HÖHE UND FRIEDE AUF ERDEN.»

3. Ton fis´, Durchmesser 112 cm: «DEIN WILLE GESCHEHE.»

4. Ton a´, Durchmesser 95 cm: «DEIN REICH KOMME.»

5. Ton h´, Durchmesser 84 cm: «DEIN NAME WERDE GEHEILIGT.»

Die 1921 gesprungene Glocke des alten Geläuts ist samt ihrem Holzjoch und den Eisenbeschlägen erhalten geblieben und heute im Kirchgemeindesaal aufgestellt. Sie stammt aus dem 15., vielleicht sogar aus dem 14. Jahrhundert und trägt eine Inschrift aus handgeformten Unzial-Buchstaben: «O REX GLORIE VENI CVM PACE» (O König der Ehren komme mit Frieden!).





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