Reformierte Kirchen im Aargau

Ein Projekt der Refomierten Landeskirche Aargau
Stritengässli 10, 5001 Aarau, ag@ref.ch

 

Die Glocken

Beim Brand der Kirche nach einem Blitzeinschlag im Jahr 1419 wurden Glockengeschosse und Geläut zerstört. Die Königsfelder Urkunde 520 vom 15. Juni 1419 hält unter anderem fest, dass man «die gloggen wider machen» wolle (vgl. Baugeschichte). Die zwei grössten Glocken des vierstimmigen Geläuts tragen die Jahreszahl 1420 und wurden vermutlich auf dem Staufberg gegossen.

Die vier Glocken im Turm

Glocke 1
Ton: es’, Durchmesser 135 cm, 1450 kg, gegossen 1420.
Halsumschrift in gotischen Majuskeln: «+ MĒTĒ. SANCTĀ. SPŌNTANEĀ. HONORĒ. DEO. ET. PATRIE. LIBERACIONĒ. ANO. DOMINI. M.CCCXX» (Einen heiligen freien Willen, Gott die Ehre und dem Vaterland die Befreiung. Im Jahre des Herrn 1420). Meister Hans Schädler von Sursee fertigte 1586 laut Inschrift ein neues eichenes Glockenjoch. Die Inschrift «CASPAR KÜNG VON MURI 1647» auf der Rückseite entstand wohl anlässlich einer Reparatur.
Die Glocke wird um 11 Uhr und zu Begräbnissen geläutet

Glocke 2
Ton: g’, Durchmesser 103 cm, 950 kg, gegossen 1420.
Halsumschrift in gotischen Majuskeln «O. REX. GLORIE. CRISTE. VENI. CUM. PACE. ANNO. DOMINI. MCCCCXX» (O Ruhmeskönig Christus komm [zu uns] mit Frieden. Im Jahre des Herrn 1420). Nach dem verheerenden Stadtbrand von Lenzburg 1491 wurde die Glocke beim Wiederaufbau an die dortige Kapelle abgetreten. 1935 liessen die reformierten Lenzburger ein neues grosses Geläut giessen, angeblich um die neue römisch-katholische «Konkurrenz» zu übertönen. Das alte Geläut, und mit ihm die Staufberger Glocke, kam leihweise in die neue reformierte Kirche in Birmenstorf. Von dort kam sie 2002 nach 511 Jahren im «Exil» an ihren Ursprungsort zurück.
Die 3-Uhr-Glocke ertönt, wie ihr Name verrät, jeweils um 15 Uhr.

Glocke 3
Ton: b’, Durchmesser 95 cm, 500 kg, gegossen gegen 1500.
Die Inschrift in gotischen Minuskeln ist mit derjenigen der zweiten Glocke identisch, aber um den Anfang des Vespergebets «Gegrüsst seist Du Maria...» ergänzt: «o. rex. glorie. criste. veni. nobis. cum. pace. ave. , ein Gussjahr fehlt. Am Mantel Medaillons mit den vier Evangelistensymbolen. Die gleichlautende Inschrift lässt vermuten, dass die Glocke als Ersatz für die nach Lenzburg abgetretene angeschafft wurde.
Die «Stürmi» genannte Glocke erklang früher bei Sturm, Bränden und anderen Katastrophen.

Glocke 4
Ton: ces’’, Durchmesser 75 cm, 300 kg, gegossen 1786.
Die kleinste Glocke trägt die Giesserinschrift «GEGOSSEN IN ARAV VON F: I: H: BAER. ANNO 1786» (Meister Friedrich Jakob Bär, Aarau), aber keinen Sinnspruch.

Die Kirchenglocke vom Staufberg

Einst soll die Staufberger Kirche unten im Dorf am Platz bei der Dorflinde erbaut worden sein. Engel hätten sie daraufhin Stein für Stein abgetragen und oben auf dem Staufberg in der gleichen Form wieder errichtet und darüber hinaus noch eine wunderbare Glocke in den Turm gehängt, die man bis auf die Brücke mitten in der Stadt Zürich habe läuten hören. Die Zürcher hätten die Glocke gerne für die eigene Kirche erworben und machten den Staufbergern ein Angebot. Sie sollten soviele Vierbatzenstücke, sogenannte Böcke, dafür bekommen, als man auf dem Weg von Zürich nach Staufen auf der Strecke von sechs Wegstunden eng aneinanderlegen könne. Die Staufener wollten ihre Glocke aber nicht hergeben und schickten eine Abordnung nach Zürich, die den abschlägigen Entscheid persönlich überbrachte. Gekränkt, dass man ihr Angebot verschmähte, sannen die Zürcher nach Rache. Sie gaben den Bauern einen Seidenfaden mit auf den Heimweg. Diesen sollten sie um die Glocke wickeln, die dadurch noch mächtiger klingen würde. Zuhause verfuhren sie ahnungslos, wie man ihnen geraten hatte, und von da an hatte die Glocke einen Sprung. (Nach Rocholz, Bd. 2, Nr. 470, S. 275-277.)

Das Wort Faden hatte im Mittelalter vielfältige Bedeutung als Masseinheit, im Recht aber auch im Aberglauben, wovon viele Redensarten zeugen. Mit einem Faden umspannte man etwas, das man in Besitz nahm. Niemand getraute sich einen Faden zu durchtrennen, da man fürchtete, damit auch den eigenen Lebens- oder Schicksalsfaden durchzuschneiden. Fäden spinnen steht auch für Unlauteres im Schilde führen.




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