Reformierte Kirchen im Aargau

Ein Projekt der Refomierten Landeskirche Aargau
Stritengässli 10, 5001 Aarau, ag@ref.ch

 

Das Äussere

Die äussere Gesamtanlage wird trotz der zahlreichen Nebenbauten nach alter Sitte von Kirche und Turm beherrscht. Die Hauptgebäude sind in einer spannungsvollen Dynamik zueinander in Beziehung gesetzt: An der Ecke beim Zugang zu einem halboffenen Innenhof ragt der freistehende Campanile auf und begrüsst die ankommenden Kirchgänger. Dahinter breitet sich die verglaste Seitenfassade des Kirchenschiffs auf, das von seinem asymmetrisch geneigten Satteldach überspannt ist. Kirche und Turm werden somit von schräg abfallenden Dächern bekrönt, die in die jeweils entgegengesetzte Richtung verlaufen und dadurch die Silhouette der Anlage prägen.

Der Hauptzugang zur Kirche führt von der Sägetstrasse auf einen Vorplatz, auf dem ein Brunnen des Künstlers Edy Scheidegger (*1923) steht, der nächst zahlreichen Grabmälern auch weitere Brunnenanlagen in der Region schuf. Architektonisch sehr qualitätvoll gelöst ist die Verbindung der Kirche mit den Nebenbauten: Ein überdachter, in einzelnen Bereich verglaster Umgang auf schlanken Betonpfeilern umschliesst kreuzgangartig einen begrünten Innenhof; darum herum gruppieren sich die zweigeschossigen Nebengebäude: Gegenüber der Kirche das Pfarrhaus, nordöstlich davon Kirchgemeindehaus, Säle und die Unterrichtsräume, die alle durch diesen Umgang erschlossen werden. Die Umgebungsarbeiten führte die Firma Walter Maag AG aus.

Materiell werden die Nebengebäude von Kirche und Turm klar geschieden und dennoch verbunden: Die bewusst nüchternen Fassaden der flachgedeckten Gemeindebauten werden von weissen Eternitschindeln bekleidet. Solche umfassen auch das Sockelgeschoss des Kirchenschiffs, was den Zusammenhang der Gebäude klar ersichtlich macht. Darüber hingegen fällt das Kirchenschiff vor allem durch seine Sichtbetonkonstruktion auf, die mit dem Farbglas kontrastiert; das Kirchendach besteht aus schwarzem Eternit.

Der 29 Meter hohe Turm mit vier Zifferblättern schliesslich ist gänzlich aus Sichtbeton gestaltet und nimmt mit seinem auskragenden, gitterartig gegliederten Glockengeschoss die charakteristische Lamellenstruktur der befensterten Schiffswände wieder auf.

Das gitterartige Glockengeschoss des Kirchturms

Auf diese Weise vermitteln die Gebäude durch Leitmotive zueinander, ohne dass die Strukturen kopiert werden. Mit den filigranen Konstruktionen des Betons wollten die Architekten, wie damals typisch, die Ausdrucksmöglichkeiten des Werkstoffes aufzeigen. Diese Bewegung des sogenannten Brutalismus führte andernorts auch zur Demonstration der Betonflächen und deren virtuosen Verwinkelung; in Strengelbach überwiegen die Skelettstrukturen, die im Fall des Turmes etwas käfighaft geraten sind.

Kirchliche Zentren dieser Art waren in der Nachkriegszeit eine häufige Bauaufgabe, und je nach Bauterrain wurden sehr unterschiedliche Lösungen gefunden, gerade seitdem die Gestaltungsfreiheit in den 1960er Jahren noch grösser geworden war als zuvor. Die Architekten Dubach & Gloor hatten vor Strengelbach bereits andere reformierte Aargauer Kirchen entworfen (Muri und Turgi), richteten sich jedoch für Strengelbach bereits wieder nach anderen, neuen Vorbildern. Besonders stark dürfte sie die Kornfeldkirche in Riehen Basel inspiriert haben, deren Wettbewerbsentwurf bereits 1961 in der Fachpresse publiziert worden war und die nach ihrer Vollendung 1964 allgemein bekannt wurde, war sie doch ein Werk eines schweizweit führenden Architekten, Werner Max Moser. Vor allem die prägenden Motive der vertikal verstäbten Kirchenwand im asymmetrischen Dreieck sowie die Turmgestalt mit Betonverstäbungen am Glockengeschoss erinnern stark an das Beispiel Riehen, das seinerzeit auch auf weitere Architekten vorbildlich gewirkt hatte.




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