Reformierte Kirchen im Aargau

Ein Projekt der Refomierten Landeskirche Aargau
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Der Altarraub in der Osternacht 1606

Am Standort der heutigen reformierten Kirche Tegerfelden befand sich bis 1662 eine Kapelle, die 135 Jahre lang beiden Konfessionen als Gotteshaus gedient hatte, der reformierten Mehrheit und der katholischen Minderheit. Dieses Nebeneinander lief nicht reibungslos ab. Immer wieder gab es Konflikte und Provokationen, deren grösste im Jahr 1606 passierte.

In der Osternacht 1606 entfernte eine Gruppe von reformierten Tegerfeldern den Altarstein aus der Kapelle. Dieser ist in der katholischen Liturgie allerdings notwendig, um eine Messe zu feiern. Es erging nun eine Meldung an den (katholischen) Landvogt Matthias Grüninger aus Uri, der den Geschworenen von Tegerfelden unter Androhungen ernster Konsequenzen befahl, den Stein sofort wieder zurückzustellen. Die Reformierten ignorierten die Anordnung und baten stattdessen Zürich um Hilfe und Beratung. Der Landvogt wiederholte seinen Befehl, aber ohne Erfolg. Er zog nun Vertraute aus dem Kirchspiel und der Stadt Klingnau auf dem Ruckfeld zusammen, damit er ungehindert mit seinem Getreuen von Baden nach Tegerfelden ziehen konnte. Der Altarstein war aber inzwischen wieder an seinen alten Ort gelangt.

Nun wollte man die Schuldigen die Konsequenzen spüren lassen. Ein Gesuch des Landvogts Heinrich Reding aus Schwyz führte 1607 zur Verfügung ernster Strafen gegen den Prediger Lucas Widler, den Hauptanstifter Hans Frey und Matthäus Wetter. Die andern Schuldigen sollen nach Gutdünken bestraft werden, wenn sie Hans Frey an den Landvogt ausliefern würden. Der Landvogt hält 1608 fest, dass die Hauptschuld zuerst Hans Frey zugeschoben worden, der wahre Rädelsführer aber Lucas Widler gewesen sei. Hans Frey wollte seiner Strafe entgehen und floh aus dem Land. Als er wieder zurückgekehrt war, wurde er sofort verhaftet und zum Tod verurteilt. Als sein Vater, seine Frau und auch seine Kinder das Gericht um Gnade anflehten, wurde seine Strafe abgemildert. Hans Frey war bei allen Befragungen geständig, nahm die ganze Schuld auf sich und entlastete Lucas Widler vom Vorwurf ein Hauptanstifter gewesen zu sein. Der Fall war damit abgeschlossen.




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