Reformierte Kirchen im Aargau

Ein Projekt der Refomierten Landeskirche Aargau
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Historische Aussenansicht der Kirche Uerkheim und des Pfarrhauses

Die Kirchen- und Baugeschichte

Im früh erwähnten Uerkheim (um 893: «Urtihun») dürfte im 11. Jahrhundert ein erstes kleines Kirchlein errichtet worden sein, das dem hl. Sylvester geweiht war. Das eigentliche Dorf und der Weiler Hinterwil gehörten ursprünglich zum Einzugsgebiet der Urpfarrei Schöftland. Kurz nach 1140 ist dann in den «Acta Murensia» (Akten des Klosters Muri) die Uerkener Kirche erstmals erwähnt («In Uirticho … ecclesiam»). Damit muss sie als althabsburgischer Streubesitz betrachtet werden, welcher dem Kloster Muri im Rahmen seiner Gründungsgeschichte vergabt worden ist. Der Kirchensatz (Besetzungsrecht der Pfarrstelle) wurde nach 1247 durch die Ministerialenfamilie von Ifenthal zusammen mit Safenwil und dem Twing (Dorfgebiet) von Uerkheim zu einer Kleinherrschaft vereinigt. Mit der Herrschaft ging auch der Kirchensatz 1395 an die Freien von Falkenstein über, die ihn 1458 an Solothurn abtraten. Kurz nach der Reformation von 1528 erwarb Bern die Kirche Uerkheim von Solothurn. 1803 fiel das Uerkener Gotteshaus an den Kanton Aargau, 1906 an die Kirchgemeinde.

Die ältere Baugeschichte der Uerkener Kirche ist wenig erforscht und deshalb nur ansatzweise darstellbar. Als wichtigste Ereignisse sind der Bau des ersten Kirchleins zwischen 1000 und 1100, dann um 1520 der Neubau bekannt, der wohl zur Hauptsache aus dem Anbau des Chores bestand, während das alte romanische Mauerwerk im Schiff bestehen blieb. Das heisst, im Hoch- und Spätmittelalter dürfte das Gotteshaus in seinen Massen dem Grundriss des heutigen Kirchenschiffs entsprochen haben. Vielleicht bestand schon seit dem 13. oder 14. Jahrhundert ein Choranbau, der jedoch deutlich kleiner gewesen sein dürfte, als derjenige aus den frühen 1520er-Jahren. Dies bleibt ohne Befunde von Bauforschung und Archäologie jedoch reine Spekulation.

Grundriss der Kirche von Uerkheim

Der Neubau des Jahres 1520/21 verhalf der Kirche Uerkheim zu ihrem heutigen Grundriss und mit dem Chor zu «einem Hauptwerk der spätgotischen Steinmetzkunst im Aargau» (Stettler). Die beeindruckende Qualität der Arbeit, lässt auf Handwerksmeister schliessen, deren Fertigkeiten auch in Stadt-, Kloster- und Stiftskirchen gefragt waren. So sind etwa Steinmetzzeichen im Uerkener Chor identisch mit solchen der kurz zuvor (1517–1520) erweiterten Stiftskirche in Zofingen, die ihrerseits Verbindungen zum Berner Münsterbau aufweist. Daran erinnert in Uerkheim die Ausmalung der Gewölbezwickel im Chor.

Eines von mehreren typischen Steinmetzzeichen, wie sie im Chor der Kirche Uerkheim zu finden sind. Sie dürften aus der Bauzeit (1520/21) stammen.

In Uerkheim muss es auch 1673 zu Erneuerungsarbeiten in der Kirche gekommen sein, wie eine ehemalige Bauinschrift (Jahreszahl am Gewände der Seitentüre zum Pfarrhaus) belegt. Überhaupt fanden im 17. und 18. Jahrhundert mehrfach grössere und kleiner Sanierungen statt.

Die Renovation von 1828 führte dann zu tiefgreifenden, den Innen- und Aussencharakter des Gebäudes deutlich verändernden Eingriffen. Im Schiff wurden 300 Jahre nach der Reformation wegen der stark gewachsenen Bevölkerung Emporen eingebaut. Um das umzusetzen, war eine Anhebung des Dachs notwendig, welches gleichzeitig eine deutliche Abflachung erfuhr. Im Innern wurde zudem eine Gipsdecke als Ersatz für die alte Holzdecke eingezogen und auf der Westeite der rundbogige Eingang mit Vorzeichen errichtet.

Der Dachreiter fand auf der Bedachung der Emporen einen neuen Standort, nachdem er vorher über dem Chor seinen Platz gehabt hatte. Dafür sprechen die 1994 anlässlich von Renovationsarbeiten vorgefundenen Artefakte im Bereich einer Chorrippe (Schleifspuren) sowie eine Öffnung in der Decke, die beide von einem Glockenseil stammen.

Damals wurden die hohen Fenster in die Südwand des Kirchenschiffes eingebaut. Das Wappen über dem Schlussstein des Chorbogens mit dem Leitspruch «Soli deo gloria» (Gott allein gebührt der Ruhm) geht ebenfalls auf diesen Umbau zurück.

Bauinschrift mit Wappen und Leitspruch aus dem Jahr 1828

Weitere Renovationen wurden 1889, 1926 (Orgel), 1942 (Turm und Kirchenuhr) 1968/69, 1994 (Innenrenovation, u.a. die Deckenmalerei des Chores) und 1998/99 (Aussenrenovation) ausgeführt.




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