Reformierte Kirchen im Aargau

Ein Projekt der Refomierten Landeskirche Aargau
Stritengässli 10, 5001 Aarau, ag@ref.ch

 

Unterkulm
Die Martinsglocke von 1502 mit dem Gussbild des hl. Martin

Die Glocken

Im kurz zuvor aufgestockten Kirchenturm wurde im Jahr 1502 ein vermutlich vierstimmiges Geläut aufgehängt. Aus diesem ältesten bekannten Geläut hat sich eine von Hans Füssli I. 1502 in Zürich gegossene Glocke bis auf den heutigen Tag erhalten (s. Glocke Nr. 2). Die drei übrigen Glocken des ersten fassbaren Geläuts wurden im Laufe der Jahrhunderte teils mehrfach umgegossen; zuletzt im April 1861 durch die Glockengiesserei Rüetschi in Aarau (s. Glocken Nr. 1, 3 und 5). Erwähnenswert ist das Schicksal der 1595/96 in Bern von Abraham Zehnder umgegossenen Glocke: Sie hing bis 1603 an ihrem ursprünglichen Bestimmungsort in Unterkulm und wurde dann samt einer zweiten Glocke an die Kirchgemeinde Brittnau verkauft, um den Umbau des Beinhauses in ein Schulhaus mit Lehrerwohnung und Kornschütte zu finanzieren. In Brittnau befindet sich die Zehnder-Glocke noch heute. Sie hängt allerdings nicht mehr im Kirchturm, sondern ist neben der Kirche aufgestellt: Gemäss Inschrift war diese Glocke während der Amtszeit von Anthoni von Erlach, Landvogt zu Lenzburg, angeschafft worden. Der Giesser verewigte sich mit dem Vers: «ZV GOTTES EHR HAT / MICH GEGOSSEN / VON BERN ABRAHAM / ZENDER VNVERDROSSEN». An der Schulter trägt die Glocke, eine der besten Arbeiten Abraham Zehnders, die Umschrift: «Die Christenlüt beruef ich zuosammen. Das sy hörind Gottes Wort alsamen Zvo Ehr vubd [sic!] Pryβ im heyligen Namen».

Das 1956 revidierte und elektrifizierte Unterkulmer Geläut wurde 1974 um eine fünfte Glocke erweitert und umfasst nun folgende Glocken:

1. Gegossen 1861 von der Glockengiesserei Rüetschi, Aarau. Schlagton des'. Durchmesser 144 cm. Gewicht 1831,5 kg. Inschriften: «Das Volk zur Predigt wir mahnen, wann immer wir stimmen zusammen. Auffahrtstag 1860» sowie «Kirchgemeinde Kulm»; am unteren Rand «Gegossen von Geb. Rüetschi in Aarau 1861».
2. Gegossen 1502, höchstwahrscheinlich von Hans Füssli I. in Zürich. Schlagton f'. Durchmesser 121 cm. Gewicht 1122 kg. Die Martinsglocke trägt an der Schulter in gotischen Kleinbuchstaben die Umschrift «o rex glorie criste veni nobis cum pace, anno domini M CCCCC und II jar» (O König der Herrlichkeit, Christus, komm zu uns mit Frieden, im Jahr des Herrn 1502). Die vier Gussbilder am Glockenkörper zeigen den segnenden Christus mit der Weltkugel in der Linken, sodann Bischof Theodul mit Bischofstab in der linken und Schwert in der rechten Hand sowie einer Glocke zu Füssen (so gekennzeichnet als Glockenheiliger), die gekrönte stehende Muttergottes mit dem Kind und schliesslich den Kirchenpatron: der hl. Martin zu Pferd schneidet gerade seinen Mantel entzwei, um ihn mit dem vor ihm stehenden Bettler zu teilen.

Martinsglocke. Gussbild des hl. Theodul

3. Gegossen 1861 von Rüetschi, Aarau. Schlagton as'. Durchmesser 97 cm. Gewicht 552 kg.
Inschrift: «Selig die Todten, die im Herrn sterben. Auffahrtstag 1860».
4. Gegossen 1974 von Rüetschi, Aarau. Schlagton b'. Durchmesser 88 cm. Gewicht 382 kg. Gestiftet vom ortsansässigen Sanitärtechnikunternehmen KWC AG zu dessen 100-Jahre-Jubiläum.
5. Gegossen 1861 von Rüetschi, Aarau. Schlagton des''. Durchmesser 70 cm. Gewicht 225,5 kg.
Inschrift: «Gott allein die Ehr‘! Auffahrtstag 1860».




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