Reformierte Kirchen im Aargau

Ein Projekt der Refomierten Landeskirche Aargau
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Das Uhrwerk von Laurentius Liechti aus dem Jahr 1535

Irrungen und Wirrungen aus dem Leben einer Kirchturmuhr

Nach der Reformation wurden die Kirchen in den Dörfern Remigen und Villigen mit neuen Turmuhren ausgestattet. Für die Konstruktion des Uhrwerks wurde Laurentius Liechti (1489-1545) aus Winterthur beauftragt. Er hatte bereits einen grossen Leistungsausweis, wozu die astronomische Uhr der Liebfrauenkirche in München, die Kirchenuhr von Unterkulm oder die Uhr des Oberturms in Brugg gehörten. Im Jahr 1535 fertigte Liechti ein Uhrwerk für Villigen an und signierte es mit seinen Initialen (LL), einem Stern und dem Initial seines Wohnorts Winterthur (W). Zudem wurde das Baujahr 1535 auf dem Uhrwerk vermerkt.

Dieses Uhrwerk war bis ins Jahr 1904 in Betrieb. Da das Bedürfnis nach einer Uhr mit Viertelstundenschlag aufgekommen war und die alte Uhr diesem nicht nachkommen konnte, wurde sie durch eine neue ersetzt. Das alte Uhrwerk lagerte man 57 Jahre lang in der Kirche, wo es Staub und Rost ansetzte.

In den 60er-Jahren des 20. Jahrhunderts standen verschiedene Renovationen und die Erweiterung der Kirche an. In diesem Zusammenhang überlegte man sich auch, was mit dem alten Uhrwerk geschehen sollte. Gemeindeamman Süss bot es dem Heimatmuseum Brugg an. Dabei drohte er, das Uhrwerk zu verschrotten, wenn sein Angebot abgelehnt würde. Wohl eher widerwillig übernahm das Heimatmuseum Brugg das Uhrwerk, lagerte es allerdings im Magazin des Brugger Bauamtes ein. Zwei Jahre später beschloss die Kommission des Heimatmuseums, das Uhrwerk dem Alteisenhändler Bingisser zu übergeben. Es schien derart verfallen, dass sich eine Restauration nicht mehr gelohnt hätte. Dies ist der letzte nachweisbare Beschluss zur Turmuhr. Auch eine Untersuchung im Jahr 1993 sah hier das Ende eines wertvollen Erzeugnisses aus dem 16. Jahrhundert. Das Schicksal der Uhr blieb im Dunkeln.

Es ist eine alte Weisheit, dass die Aufgabe der Forschung darin liegt, das Licht des Wissens in die Finsternis des Nichtwissens zu bringen. Dies tat der Winterthurer Uhrenforscher Rudolf Wehrli im Jahr 1994 als er ins Magazin des Historischen Museums Aargau hinunterstieg. Er war auf der Suche nach einer Uhr von Laurentius Liechti und fand ein Uhrwerk. Es war nicht jenes, das er gesucht hatte. Es wies jedoch Liechtis Initialen, einen Stern und den Initial Winterthurs auf. Bei genauerem Hinsehen erkannte er die Inschrift mit dem Baujahr 1535. Er hatte das Villiger Uhrwerk gefunden. Er untersuchte seinen Zustand und verfasste einen Bericht. Darin hielt er fest, dass das Uhrwerk fast gänzlich in seinem ursprünglichen Zustand erhalten war und nur wenige Teile fehlten. In der Folge machte sich der Restaurator Peter Accola ans Werk. Er konnte das Werk ergänzen und wieder in seinen alten Glanz zurückversetzen, sodass man es heute im Museum Aargau in Lenzburg bestaunen kann.

Das Uhrwerk ist nun in seinem wohl verdienten Ruhestand. Erfüllt aber als Zeugnis vergangener Zeiten noch immer einen wichtigen Zweck in der heutigen Zeit.




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