Reformierte Kirchen im Aargau

Ein Projekt der Refomierten Landeskirche Aargau
Stritengässli 10, 5001 Aarau, ag@ref.ch

 

Radierung von Johann Melchior Füssli (1677–1736), Eigentliche vorstellung der zu Zurzach 1717 Neüerbauten Reformierten Kirchen
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Denkmalpflege des Kantons Aargau

Die Kirchen- und Baugeschichte

Zurzach, seit dem 14. Jahrhundert berühmter Wallfahrts- und Messeort, entschied sich 1529 mehrheitlich, zum neuen Glauben überzutreten. Seither diente das neben der Stiftskirche Sankt Verena stehende Pfarrgotteshaus als paritätische Kirche für beide Konfessionen. Da die reformierte Kirchgemeinde seither stark zunahm und die bestehenden Räumlichkeiten nicht mehr ausreichten, wurde bereits im Laufe des 16. Jahrhunderts über den Bau einer neuen und grösseren Kirche nachgedacht, aber die fehlenden finanziellen Mittel standen diesem Vorhaben vorerst im Weg. 1711 gelangten die reformierten Zurzacher an den Rat von Zürich mit der Bitte um Vermittlung bei den regierenden Orten. Nach dem Zweiten Villmergerkrieg von 1712, der mit der Niederlage der katholischen Seite endete, waren die Orte Zürich, Bern und das reformierte Glarus für Zurzach zuständig. 1716 richteten die Reformierten Zurzach erneut eine Bitte an Zurich um finanzielle Unterstützung ihres Bauvorhabens mit dem Argument, eine grössere Kirche würde auch den vielen reformierten Kaufleuten dienen, die den Markt in Zurzach besuchten. Die Kirche war zu diesem Zeitpunkt bereits im Bau, und die Zurzacher versicherten im gleichen Schreiben, er sei «würcklich über die helffte» in die Höhe gebracht.

Baumeister war der Zürcher Architekt Matthias Vogel (ca. 1676–1748). Er hatte sich mit dem Bau der Kirche Baden empfohlen, die kurz zuvor (1712–14) erbaut worden war. Diese beiden Kirchen nehmen eine Schlüsselstellung innerhalb des protestantischen Kirchenbaus in der Schweiz ein: Sie verkörpern beide denselben Bautyp des streng-nüchternen Predigtsaales, der vorrangig dem Wortgottesdienst gilt. 

Eingeweiht wurde die Kirche 1724.

Bei beiden Bauten – Baden und Zurzach – ist der ähnlich gestaltete Turm in die Seitenfassade (Zurzach) bzw. Hauptfassade (Baden) integriert. Diese neue Idee wurde wenig später in der Turmfassade der Heiliggeistkirche in Bern (1729)  aufgenommen, die als die renommierteste reformierte Kirche in der Schweiz gilt. Die in Zurzach realisierte Bauidee des Turmes wurde im Laufe des 18. und 19. Jahrhunderts in mehreren Kirchen der Nordschweiz aufgenommen, allen voran in der Kirche in Wädenswil (1764–67, die durch Johann Ulrich Grubenmann, einem Mitglied der der berühmten Appenzeller Holzbauerdynastie, realisiert wurde.

Die reformierte Kirche Zurzach stellt eine der ersten Querkirchen in der Schweiz dar, ein typisch protestantischer Kirchenbau.1676 wurde die Kirche Wilchingen im schaffhausischen Klettgau erbaut; in Proportionen und Grundriss ist sie mit der Kirche Zurzach praktisch identisch.





Die nahezu identischen Grundrisse der Kirchen Wilchingen (1676) und Zurzach (1617)


1954 wurde die Stuckdecke der Kirche Zurzach saniert, eine Innenrenovation erfolgte 1960/61, wenig später (1967/68) wurden empore und Orgel renoviert. Eine Aussenrenovation wurde 1979 gemacht, und 2000/01 schliesslich wurde die Kirchendecke saniert.




Eine Zusammenfassung der wichtigsten Eckdaten zur Kirche findet sich auf einer Tafel rechts des Eingangportals









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